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SDGs for All

SDGs for All is a joint media project of the global news organization International Press Syndicate (INPS) and the lay Buddhist network Soka Gakkai International (SGI). It aims to promote the Sustainable Development Goals (SDGs), which are at the heart of the 2030 Agenda for Sustainable Development, a comprehensive, far-reaching and people-centred set of universal and transformative goals and targets. It offers in-depth news and analyses of local, national, regional and global action for people, planet and prosperity. This project website is also a reference point for discussions, decisions and substantive actions related to 17 goals and 169 targets to move the world onto a sustainable and resilient path.

Die vergessene humanitäre Krise im Balkan

Von Vesna Peric Zimonjic

BELGRAD (IDN) - Die gewaltsame Aufspaltung des früheren Jugoslawien liegt mehr als zwei Jahrzehnte zurück. In den 1990ziger Jahren wurde der Frieden in der Region wiederhergestellt. Doch für diejenigen, die kaum etwas über die brutale Gewalt und humanitäre Katastrophe wissen, welche die politische Trennung begleitete, scheint sich wenig verändert zu haben.

"Man hört keine Waffen mehr rasseln, aber die politische Rhetorik und das Fehlen grundlegender ökonomischer Erholung macht, dass die Menschen in der jüngsten Vergangenheit stecken bleiben mit schlechten Aussichten auf eine bessere Zukunft", sagt der bekannte Soziologie-Professor Ratko Bozovic. "Es gibt neue Generationen überall im früheren Jugoslawien, die nichts wissen, außer, wie dieser oder jener Krieg geführt wurde."

Der Professor erklärte, dass keine wirkliche Einsicht in die Ursachen, begleitet von geringen Perspektiven den fruchtbaren Boden abgeben für künftige Irritationen unter den Jungen, die für ihre Nationen die Zukunft gestalten müssen.

"Viele politische Strukturen, die im Krieg entstanden sind und bis heute überlebten, bleiben das Haupthindernis die Auswirkungen der Kriege zu verarbeiten", sagt Daliborka Uljarevic, Kopf einer wichtigen Nichtregierungsorganisation für Bürgerbildung, Centre for Citizens‘ Education (CCE) bei einem kürzlich durchgeführten runden Tisch über die Balkan-Gesellschaften nach den Konflikten. Der Titel der Veranstaltung war "Wie Politiker den Prozess der Versöhnung in der Region sehen".

Der Weg zur Versöhnung ist immer noch sehr schleppend. Die Kriege im früheren Jugoslawien fingen an, als zwei seiner Republiken, Slowenien und Kroatien 1991 ihre Unabhängigkeit erklärten, gefolgt 1992 von Bosnien-Herzegowina. Diese Bewegungen wurden von der serbischen Hauptstadt Belgrad und einem Sechs-Mitglieder-Zusammenschluss bekämpft. Der Krieg in dem ethnisch homogenen Slowenien dauerte nur 10 Tage, mit nur wenigen Opfern und einer schnellen Vereinbarung zwischen Ljubljana und Belgrad, das seine Truppen aus Slowenien zurückzog.

Doch unter dem Vorwand, die Interessen der Serben zu schützen, die signifikante Bevölkerungsteile in Kroatien und speziell in Bosnien-Herzegowina ausmachten, setzte das Belgrader Regime von Slobodan Milosevic sowohl die föderale Armee ein, wie auch paramilitärische Einheiten Serbiens, um die Unabhängigkeitsbewegungen heftig zu bekämpfen.

Kroatien und Bosnien antworteten mit der Kreation eigener Armeen, die erbittert gegen diese „serbische Aggression“ kämpften.

In dem Krieg 1991-1995 wurden mehr als 120.000 Menschen getötet, die meisten von ihnen Nicht-Serben, was bedeutet Bosnische Muslime und Kroaten. Die Anzahl der nicht dort Hingehörenden auf dem Höhepunkt des Krieges erreichte in Bosnien-Herzegowina fast zwei Millionen bei 4,3 Millionen Bevölkerung. Die Menschen                                                            

bewegten sich innerhalb des Landes in die Gebiete, wo ihre ethnische Zugehörigkeit überwog. Serben halten an Serbischem fest und Muslime und Kroaten an Muslimischem und Kroatischem.

Was die Wirtschaft betrifft, hat die Prüfungskommission des kroatischen Staates die Kriegsschäden auf 36 Milliarden Dollar beziffert bei Zerstörung von 180.000 Wohnsitzen und 25 Prozent der Wirtschaftskraft. In Bosnien-Herzegowina bezifferte Professor Duljko Hasic von der Universität Sarajewo kürzlich die Schäden auf 15,6 Milliarden Dollar für die 44 Monate der Belagerung der Hauptstadt durch die jugoslawischen und bosnisch-serbischen Armeen.

Keine der Ökonomien in der Region haben das Niveau des Brutto-Sozialproduktes von 1989 wieder erreicht; dieses Vorkriegsjahr wurde von regionalen Ökonomen als Basis für Vergleiche etabliert.

"Nachhaltige Entwicklung wird noch Jahre brauchen, bis sie diese Region erreicht", sagt der Belgrader Wirtschaftsprofessor Miodrag Zec. "Es liegt nicht nur an den Kriegen, sondern auch am Zerfall der gemeinsamen Produktion im früheren Jugoslawien, am Zerfall seines gemeinsamen Marktes und am Hinterherhinken hinsichtlich der ökonomischen Veränderungen, die in den 90ziger Jahren stattfanden“, fügte er hinzu. Was immer in der Nachkriegszeit erreicht wurde, ging in der globalen Wirtschaftskrise von 2008 wieder verloren", erklärte Zec.

Tausende Menschen werden noch vermisst und Kriegsverbrechen werden immer noch vor dem von den Vereinten Nationen gegründeten Internationalen Strafgerichtshof für Jugoslawien (ICTY) verhandelt.

Eines der grausamsten war das Massaker an mehr als 7000 Muslimen, Männern und Jungen, durch bosnische Serben in Srebrenica, einer winzigen Muslim-Enklave in Ost-Bosnien im Juli 1995. So um 5000 Opfer wurden inzwischen aus flachen Gräbern ausgegraben und durch DNA-Analysen identifiziert. Massengräber werden immer noch in der bergigen Region rund um Srebrenica entdeckt.

Das Massaker ereignete sich nur Monate vor dem Dayton-Friedens-Übereinkommen das von den Vereinigten Staaten und der internationalen Gemeinschaft gefördert wurde und Frieden für Bosnien-Herzegowina brachte, das in einen Staat aus zwei Einheiten verwandelt wurde. Eine wird von bosnischen Serben verwaltet, die andere gemeinsam von bosnischen Muslimen und Kroaten.

Entlang dieser ethnischen Linie bleibt das Land streng geteilt, wobei die bosnischen Serben Sarajewo noch nicht einmal als ihre Hauptstadt anerkennen sondern mit Banja Luka eine eigene haben. Dieser nichtfunktionierende Staat ist selbst unfähig die gemeinsamen Ergebnisse der Volkszählung bereitzustellen, die im Jahr 2013 durchgeführt wurde.

"Die Leute nennen es formal einen Staat, aber sie leben völlig unterschiedliche Leben", sagt der Analyst Pero Simic.

Das beruht weitgehend auf den fast nichtexistenten Einnahmen, da die Menschen in den Gebieten bleiben, wo ihre ethnische Gruppe überwiegt. Das Tauschen von Wohnsitzen zwischen Ethnien war in den Jahren nach 1995 eine Routinesache. Viele Tausende, die nicht zurückkehren konnten, immigrierten einfach in Drittländer.

Die Rückkehr war auch für kroatische Serben fast unmöglich. Ihre Kriegsallianz mit Belgrad und seit 1991 die Rebellion gegen die Hauptstadt Zagreb führte zu der alles hinwegfegenden Operation "Sturm" der kroatischen Armee im August 1995, worauf dann fast 200.000 gradewegs nach Serbien flohen. Das Gebiet der Krajina, wo sie sonst lebten, wurde eine verlassene Gegend.

Kroatische Generäle, welche die Operation leiteten, die 1.800 tote oder vermisste Serben hinterließ, wurden von der ICTY von Kriegsverbrechen freigesprochen.

Tausende Serben sind inzwischen nach Krajina zurückgekehrt, vor allem ältere Menschen, aber die meisten haben ein neues Leben gefunden, in Serbien oder im Ausland.

"Es gibt keinen politischen Willen, Probleme zu lösen, bei denen Serbien sein Gesicht verloren hat", sagte Miroslav Linta, ein serbischer Spitzen-Beamter, der für Angelegenheiten von Serben zuständig ist, die außerhalb des richtigen Serbien leben. "Es gibt Angelegenheiten hinsichtlich 40.000 Wohnsitzen und darüber hinaus 50.000 Menschen, die nicht an ihre Renten kommen", fügte er noch hinzu.

Aber Gerechtigkeit für Opfer und die Richtigstellung von Fehlern der Vergangenheit scheinen bei den Spitzenpolitikern der drei Staaten weitgehend vergessen zu sein, trotz der Tatsache, dass die Führer der Kriege, Slobodan Milosovic (Serbien), der Kroate Franjo Tudjman und der bosnische Muslim Alija Izetbegovic schon tot sind.

„Politiker haben kein Interesse an der adäquaten Aufarbeitung von Angelegenheiten der jüngsten Vergangenheit, da sie es auch nicht als Thema betrachten, dass Ihnen Beliebtheitspunkte in der Öffentlichkeit einbringt“, sagte Uljarevic.

"Sie sollten den Rahmen des täglichen politischen Taktierens verlassen und einen Zusammenhang herstellen, der Gerechtigkeit für die Opfer, die Wahrheit über Kriegsverbrechen und Verurteilungen von Straftätern vorsieht, wie auch für jene, welche die Verbrechen angeordnet haben. Das ist die Vorbedingung für die Gesellschaften auf dem Balkan, wenn sie sich im Einklang mit den Werten der Zivilgesellschaften, mit Recht und Freiheit jede für sich und für jeden einzelnen etablieren wollen", fügte sie hinzu.

Nur zwei Teilrepubliken des früheren Jugoslawien verließen die Ex-Föderation friedlich. Mazedonien verkündete seine Unabhängigkeit im September 1992 und Montenegro im Jahr 2006. Was einmal die serbische Provinz Kosovo war, beschritt den Weg zur Unabhängigkeit seit 1999 und verkündete sie 2008, womit das Kapitel der Geschichte eines gemeinsamen, 1918 gegründeten Staates geschlossen wurde. (IDN – InDepthNews – 26. Mai 2016)

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