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SDGs for All

SDGs for All is a joint media project of the global news organization International Press Syndicate (INPS) and the lay Buddhist network Soka Gakkai International (SGI). It aims to promote the Sustainable Development Goals (SDGs), which are at the heart of the 2030 Agenda for Sustainable Development, a comprehensive, far-reaching and people-centred set of universal and transformative goals and targets. It offers in-depth news and analyses of local, national, regional and global action for people, planet and prosperity. This project website is also a reference point for discussions, decisions and substantive actions related to 17 goals and 169 targets to move the world onto a sustainable and resilient path.

Papst-Besuch in Japan belebt Debatte über die Todesstrafe

Von Katsuhiro Asagiri

TOKIO (IDN) - Eine internationale Konferenz in Tokio hat Japan dazu aufgerufen, im Jahr der Olympischen Spiele 2020 alle Hinrichtungen zu stoppen. Japan gehört zu den weltweit 56 Staaten und einzigen drei Industrieländern  (neben USA und Südkorea), die an der Todesstrafe festhalten.

Die Konferenz fand am 22. November im japanischen Unterhaus statt – einen Tag vor Ankunft von Papst Franziskus. Sie stand unter dem Motto „Ohne Leben keine Gerechtigkeit“ und knüpfte damit an das zentrale Anliegen der viertägigen Papstreise an, für den kompromisslosen Schutz von Leben und Menschenwürde zu werben.

„Die Todesstrafe fügt dem Tod eines Menschen einen weiteren Tod hinzu“, sagte Mario Marazziti von der christlichen Vereinigung „Sant'Egidio“ und Mitbegründer der Weltweiten Kampagne gegen die Todesstrafe.

Mehrheit der japanischen Bevölkerung für die Todesstrafe

Den Familien von Mordopfern werde weisgemacht, dass die Todesstrafe für Gerechtigkeit sorge und den Schmerz der Hinterbliebenen lindern könne. Der italienische Journalist macht diese „Lüge“ dafür verantwortlich, dass die meisten Japaner den Meinungsumfragen zufolge die Todesstrafe befürworten.

„In Wirklichkeit wird der Groll eingefroren und die Menschen warteten jahrelang  auf Vergeltung“, fügte Marazziti auf dem Treffen hinzu und verlangte ein „olympisches Moratorium für die Todesstrafe“. 

Sant'Egidio wurde 1968 im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil auf Initiative von Andrea Riccardi  in einer weiterführenden Schule im Zentrum Roms gegründet. Die Organisation hat sich inzwischen zu einem in 70 Ländern der Welt aktiven Netzwerk von Glaubensgemeinschaften entwickelt.

Marazittis Vorschlag für ein olympisches Todesstrafenmoratorium stieß auf Zuspruch, vor allem von der italienischen Botschaft in Tokio, der Allparteien-Parlamentsgruppe zur Prüfung der Zukunft der Todesstrafe in Japan und dem Japanischen Verband der Anwaltskammern. Zu den Mitorganisatoren der Konferenz gehörten die Organisationen „Seimeizan Shweitzer Tempel“ und das „Soka-Gakkai-Friedenskomitee“.

Justizirrtum? - Todesurteil aufgehoben

Die Relevanz des Konferenzthemas wurde durch die Anwesenheit des 83-jährigen Todeskandidaten Iwao Hakamada und seiner Schwester Hideko (86) unterstrichen. Hakamada ist Symbol einer Bewegung für ein Ende der Todesstrafe in Japan. Der ehemalige Boxer wurde 2014 aus dem Gefängnis entlassen, nachdem ein Gericht das Todesurteil im Zuge neuer DNA-Beweise aufgehoben hatte. Der Fall liegt nun dem Obersten Gerichtshof zur Prüfung vor.

Hakamada ist nach Ansicht seiner Unterstützer und Anwälte einem Strafrechtssystem zum Opfer gefallen, das sich so sehr auf erzwungene Geständnisse verlässt, dass es als „Justiz in Geiselhaft“ bezeichnet wird.

Hakamada hatte die ihm angelasteten Morde zunächst gestanden, das Geständnis jedoch zu Beginn seines Prozesses widerrufen. Offiziellen Unterlagen ist zu entnehmen, dass er ohne den rechtlichen Beistand eines Anwalts festgehalten und tagelang über zehn Stunden von der Polizei verhört und gefoltert wurde. 1966 war er auf der Grundlage blutverschmierter Kleidungsstücke, die die Polizei angeblich in einem bereits zuvor durchsuchten Sojapastenbehälter fand, wegen Mordes an seinem Chef, einem Sojapastenhersteller, dessen Frau und deren zwei Kindern, verurteilt worden. 1968 erging das Todesurteil.

Zweifel an der Schuld des Angeklagten

Einer der Richter, die das Urteilt verhängt hatten, räumte später ein, dass ihm der Fall von Anfang an suspekt vorgekommen sei, heißt es in einem Bericht der Nachrichtenagentur „Associated Press“.Nach einem Selbstmordversuch infolge von Schuldgefühlen trat der Jurist zum katholischen Glauben über und nahm den Vornamen Hakamadas und den eines japanischen Märtyrers („Miki“) an.

Hakamada ist ebenfalls Katholik. "Jeden Abend, von 21.00 bis 22.30 Uhr, bete ich zu Jesus Christus und beteuere meine Unschuld", schrieb er im Gefängnis. "Dann bin ich frei von Kummer und Leid. Gottes Liebe und Segen verdanke ich es, dass ich lebe, nach Wahrheit rufen und weiterleben kann.“ Wie Hakamadas Schwester gegenüber den Konferenzteilnehmer berichtete, hat ihr Bruder zwar die jahrzehntelange Gefangenschaft überlebt, ist aber schwer traumatisiert und leidet unter Wahnvorstellungen.

Landesweite Debatte gefordert

Die Anwälte, die Hakamadas Aufrufe für eine Wiederaufnahme des Verfahrens unterstützen, stellten  auf der Konferenz das Recht von Staaten infrage, einem Menschen das Leben zu nehmen.  Sie argumentierten, dass die Todesstrafe unumkehrbar sei und immer wieder Unschuldige treffe. Angesichts dieser Gefahr finden sich nach Ansicht von Takeo Kawamura, dem Vorsitzenden der Allparteien-Fraktion, auch in Japan Befürworter einer Abschaffung der Todesstrafe. Es sei höchste Zeit für eine landesweite Debatte des Themas.

Mit der Wahl des Konferenztages am Vorabend des Papst-Besuchs wollten die Veranstalter daran erinnern, dass das katholische Kirchenoberhaupt im vergangenen Jahr die Todesstrafe als "unzulässig" erklärt und den Katechismus entsprechend geändert hatte.

Hakamada hatte keine Gelegenheit, mit Franziskus zu sprechen, obwohl er zu dessen Messe in den Tokioter Dom eingeladen worden war. Der Papst erklärte später, er sei über Hakamadas Fall nicht unterrichtet gewesen. Gleichwohl versicherte er auf dem Rückflug nach Rom gegenüber Journalisten, er habe bei seinem Treffen mit Ministerpräsident Shinzo Abe am 25. November die Notwendigkeit betont, die Todesstrafe abzuschaffen. Laut den 'Kyoto News' erwartet Franziskus allerdings, dass die Umsetzung des Anliegens nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen sei.

Papst trifft Atombombenopfer

Der Papst besuchte während seines Japan-Aufenthaltes auch Hiroshima und Nagasaki, die beiden Schauplätze der ersten Atombombenangriffe der Welt. Während einer Pressekonferenz auf dem Rückweg in den Vatikan sagte er, sein Besuch in Hiroshima sei ein bewegendes Erlebnis gewesen.

In Hiroshima sprach er mit Überlebenden der Atombombenangriffe und hörte sich deren Geschichten an. Laut „NHK World“ wird er nach eigenen Angaben dafür sorgen, dass die katholische Kirche in ihren Schriften den Einsatz und den Besitz von Atomwaffen als unmoralisch verurteilt. Papst Franziskus habe ferner erklärt, er sei nur dann für eine Nutzung der Atomenergie, wenn diese absolut sicher sei.

Video mit der Eröffnungsrede von Mario Marazziti auf der Konferenz: https://www.youtube.com/watch?v=mK6mIQErl0AHYPERLINK "https://www.youtube.com/watch?v=mK6mIQErl0A&t=12s"&HYPERLINK "https://www.youtube.com/watch?v=mK6mIQErl0A&t=12s"t=12s

[IDN-InDepthNews - 30. November 2019]

Foto: Mario Marazziti, Mitbegründer der Weltkoalition gegen die Todesstrafe im Jahr 2002 und Mitglied des italienischen Abgeordnetenhauses, Bildnachweis: Katsuhiro Asagiri | INPS-IDN- Multimedia-Direktor

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